Photovoltaik am Carport: Warum der Schatten hier mehr kostet als am Hausdach
Der Carport ist die beliebteste Erweiterung, wenn das Hausdach voll ist. Er hat aber zwei Nachteile, die im Angebot selten stehen: Er liegt tief, und er liegt flach.

Tief: derselbe Baum, doppelter Verlust
Ein Hausdach hat seine Mitte in 7 m Höhe, ein Carportdach in 2,5 bis 3 m. Ein 12-m-Baum in 10 m Abstand erscheint vom Hausdach aus unter 27°, vom Carport aus unter 42°. In der Rechnung für Wien, 8 kWp, 30° Süd: Hausdach 38 kWh Verlust im Jahr, Carport 187 kWh. Fünfmal so viel, allein wegen der Höhe.
Das Beispiel, mit dem PV-Schatten entstanden ist: Carport am Semmering, 990 m Seehöhe, Fichte 25 m hoch, 4 bis 6 m westlich. Im Oktober liegt das Carportdach ab 14 Uhr komplett im Schatten der Fichte. Jahresverlust durch den Baum rund 1088 kWh, dazu der Geländehorizont des Tals, der noch einmal deutlich mehr kostet als die Fichte.
Flach: weniger Ertrag je kWp, mehr Schnee
Carports haben 5 bis 10° Neigung. Gegenüber 30° kostet das in Wien etwa 8 % Jahresertrag, in Westösterreich mit mehr Schnee deutlich mehr, weil Schnee auf flachen Modulen liegen bleibt. PV-Schatten schätzt Schneeverluste nach Seehöhe und Neigung; am Semmering fehlen im Jänner bis zu 60 % des Monatsertrags.
Was dafür spricht
- Hinterlüftung. Carportmodule sind von unten frei, bleiben kühler und liefern 2 bis 4 % mehr als dachparallele Module.
- E-Auto. Das Auto steht unter der Anlage. Wer mittags lädt, erreicht Eigenverbrauchsquoten, die ein Hausdach ohne Speicher nicht schafft; in der Simulation mit „E-Auto laden: mittags (Carport)" sichtbar.
- Freie Ausrichtung. Ein neuer Carport kann nach Süden oder Ost-West geplant werden, das Hausdach nicht.
- Keine Dachhaut. Keine Dachdeckerarbeit, keine Durchdringung, Statik ist Teil des Carports.
Vor dem Bau rechnen, nicht danach
Beim Carport ist alles noch verschiebbar: zwei Meter weiter nach Osten, ein halber Meter höher, 10° statt 5° Neigung. Jede dieser Änderungen lässt sich in PV-Schatten als Variante speichern und vergleichen: Fläche verschieben, Traufhöhe ändern, Neigung ändern, PVGIS neu rechnen. Der Unterschied zwischen dem schlechtesten und dem besten Platz auf demselben Grundstück liegt oft bei 15 bis 25 % Jahresertrag.